Remise - Verkehrsmuseum der Wiener Linien

Als Wiener Stadtkind wächst man wie selbstverständlich mit den roten Riesen auf. Eigentlich habe ich mir nie Sorgen über die Weiterentwicklung gemacht, für mich war nur klar - dieser Knopf war meiner.

Kaum war ich groß genug, um an ihn zu gelangen, hatte kein Erwachsener mehr eine Chance, schneller als die kleine Renate zu sein. Noch heute muss ich lächeln, wenn die Faszination der modernen Drucktasten Kinder erfasst.

Das Team von bustiger steht gerade in der früheren Straßenbahn-Remise Erdberg. Heute ist der ehrwürdige Backsteinbau aus 1901 denkmalgeschützt und beherbergt das Verkehrsmuseum der Wiener Linien.

Neben der Ausstellung kann eine große Fläche jederzeit gerne für eigene Veranstaltungen gemietet werden. Dann werden je nach Wunsch Straßenbahnen und Autobusse aus oder gerade in die Halle geschafft. Tische und Stühle platziert, eine Bühne aufgebaut (z.B. für die Deutschmeisterin von Wien) oder ein roter Teppich gelegt. Ihr könnt eure Gäste mit einer Oldtimerstraßenbahn oder einem -auto-bus abholen lassen, auf den über 800 m2 Blumenschmuck aufstellen, entweder fein speisen oder einfach ein paar Snacks reichen. Bei Interesse fragt direkt bei der Remise an. Die Kontaktdaten findet ihr am Schluss des Artikels.

Das Team von bustiger widmet sich heute der umfangreichen und übersichtlich aufbereiteten Ausstellung und danach... Aber starten wir mal los.

"Einsteigen bitte".

Als Kind hatte ich auch so eine kleine Tasche, ein paar Fahrscheine und ein Zwickgerät, mit dem ich schöne Löcher in die Tickets stanzen konnte. Aber an die netten Schaffnerinnen kann ich mich nicht mehr erinnern, denn ich wurde schon in die Generation

geboren.

Die Geschichte der Wiener Linien fängt im Jahre 1865 an, als man mit 1 PS durch die Stadt fuhr.

Dann wurden es 2 PS, 1902 wurden die Wagen für den elektrischen Betrieb adaptiert und von hier an bestimmte eine rasante Entwicklung das Wiener Stadtbild.

Rund zwei Stunden Aufenthalt sollten sich interessierte Gruppen für das überaus umfangreiche Museum nehmen. Mit dem eigenen Reisebus könnt ihr direkt vorfahren, aussteigen lassen und die geführte Besichtigungsrunde beginnen. Nachdem am Areal noch fahrtüchtige Fahrzeuge untergebracht sind, welche immer wieder ein- und ausfahren, fragt bitte an, ob euer Reisebus stehen bleiben darf.

Das Museum ist komplett barrierefrei und bietet auch ein Behinderten-WC. Haustiere dürfen leider nicht mit in die hohen Hallen.

Wer ohne persönliche Führung das Museum besuchen möchte, kann sich die Hearonymus App über das Smartphone in acht Sprachen gratis downloaden, und somit akustisch durch Europas größte Sammlung historischer Fahrzeuge wandern.

Wer, wie ein Teil des Teams von bustiger, ohne Smartphone unterwegs ist, kann die Schautafeln studieren und an interaktiven Stationen sein Wissen aufbessern. Unser Walter prüft gerade sein Wissen rund um die Wiener Linien, welche ihn jahrelang beruflich begleitet haben.

Mein Schatz und unser Maskottchen Samir stehen wie angewurzelt vor der Dampflok. Kaum vorstellbar, dass diese einmal über die Stadtbahnbögen in Wien gedampft ist. Heute verkehren auf dem alten Schienennetz die modernen Züge der U- sowie S-Bahn.

Wien hat einen wahrhaft großen Wandel in Sachen öffentlicher Verkehr erlebt. Vom Pferdegespann bis zum Silberpfeil, dessen Innenleben für technikinteressierte Menschen bestens aufbereitet ist. Ein Fahrsimulator zeigt die Welt der U-Bahn aus Sicht des Fahrers/der Fahrerin.

Wer der Silberpfeil ist, fragt ihr? Tja, ich würde es gerne erklären, aber ich sehe den ersten Bus in der Ausstellung. Sorry, keine Zeit mehr für U-Bahnen, denn hier steht ER! Mein absoluter Kinderschwarm! Der Albtraum meiner Mutter. Unser 13A!

Die Fensterscheibe rechts oben sieht aus, als wäre ich da gestern noch als Kind gesessen. Vielleicht war gerade dieser 13A die Grundlage, dass ich dann zur Buslady geworden bin. Ich seufze. Walter schaut mich besorgt an: "Alles ok mit Dir?"

Ich nicke und sabbere zugleich. Diese Erinnerung an die Ferien, als Mutti harmlos fragte: "Was machen wir heute, das Wetter ist nicht so besonders."

Da gab es nur eine Möglichkeit - los zur Endstation des 13A, rasch in den Bus gehüpft und die erste Reihe erobert. Dort dann, zum Leidwesen von Mutti, Runde um Runde gedreht. Mit Blick von oben auf die Welt. Warum das so spannend war, wollt ihr wissen?

Der 13A hatte eine Streckenführung durch Wien, wo er durch einen Hausbogen gefahren ist und man das Gefühl hatte, als würde man oben anstreifen. Das war für mich als Kind das schönste Erlebnis. Immer und immer wieder. Ich verstehe die damalige Begeisterung der Menschenmenge, die bei der Verabschiedung der alten Straßenbahnlinie 13 und beim Willkommen der neuen Buslinie 13A auf der Straße war. Ihr könnt dieses Gefühl anhand des kleinen Films in der Ausstellung, welcher damals bei der Wochenschau lief, nachvollziehen.

Während ich in Erinnerungen schwelge, höre ich in der Ferne Walter, der gerade in seinen Kindheitserinnerungen kramt.

Er erzählt von einer Straßenbahn, genannt Aquarium, von technischen Details, vom gefährlichen Auf- und Abspringen auf die Plattform während der Fahrt. Von händisch zu stellenden Weichen, vom ersten Auffangkorb und von den alten Fahrkarten, die aus Karton waren.

Unglaublich, welche Erinnerungen in diesem Museum zum Leben erweckt werden. Heute sind sehr viele Besucher in den Hallen anzutreffen, und ich lausche den Gesprächen. Die ausgestellten Fahrzeuge, die liebevoll zusammengetragenen Gegenstände rund um den Wiener Stadtverkehr, die erklärenden Schautafeln, sowie die Spielstationen für Kinder begeistern nicht nur uns WienerInnen.

Ein älteres Pärchen aus Salzburg steht aufgeregt vor einem Bild. Sie können es kaum glauben, aber das war einst unser Wiener Westbahnhof, an welchem sie gestern angekommen sind.

Tatsächlich hat diese Station mit der heutigen Zeit überhaupt nichts mehr gemeinsam. Dennoch haben wir in Wien noch eine solche U-Bahn-Station von Otto-Wagner, nämlich beim Stadtpark.

Das Verkehrsmuseum zeigt nicht nur Fahrzeuge und die Entwicklung des Verkehrsnetzes in Wien, sondern auch eindrucksvoll die damit verbundene Geschichte. Natürlich wird auch über die Zerstörung während der Kriege berichtet und wie damals die Fahrzeuge als Kriegsmittel eingesetzt wurden. Ich möchte auf die schwarze Zeit in unserer Geschichte nicht näher eingehen, sondern ein anderes Bild hervorheben.

Der Protest zur Erhaltung der Otto-Wagner-Station am Karlsplatz. Dank des beherzten Eingreifens der Bevölkerung gibt es diesen überaus wertvollen Pavillon noch heute zu sehen. In diesem Jugendstilgebäude befindet sich seit 2005 eine Dauerausstellung über den großartigen Architekten Otto Wagner. Ihr könnt euch nach dem Museumsbesuch schnell bei Rosenberger First stärken und dann zum Karlsplatz marschieren, der auch für seine berühmte Kirche bekannt ist, sowie in der Adventzeit für einen der schönsten Adventmärkte von Wien.

Mir als Buslady bleibt gerade das Herz stehen. Ganz vorsichtig streichle ich über das rote Blech des Linienbusses Nr. 8084. "Der Bus aus dem Fluss" wird er in Wien genannt. Während ich damals mit meinem roten Plastikauto mit den gelben Rädern durch die elterliche Wohnung sauste, wurde dieser Bus am 01.08.1976 um 04.53 weit über die Stadtgrenzen Wiens hinaus bekannt. Sein Schicksal berührte die Menschheit. Hätte es damals Facebook schon gegeben, wäre sein Schicksal wahrscheinlich bis in den hintersten Winkel der Welt verbreitet geworden. In unserer Familie tummelt sich auch ein kleines, abgegriffenes schwarz-weiß-Foto in einem uralten Fotoalbum.

Ich hatte keine Ahnung, dass er noch jahrelang danach im Einsatz war und nun hier steht. Seine Karosserie fühlt sich kalt an.

Mein Handy reißt mich aus meinen Träumen.

"Ja? Äh? Gut!", ich stammle vor mich hin, denn vor lauter Hingabe habe ich gar nicht gemerkt, dass meine Teammitglieder die Museumsräume schon verlassen haben, und sich beim alljährlichen kleinen, aber sehr romantischen Remisen-Weihnachtsmarkt an einem überaus köstlichen Schneepunsch nicht nur die Hände wärmen.

Liebe Leser, sorry, aber ich mache jetzt Schluss, denn nach dem Punsch und einer Runde auf der Eisstockbahn habe ich keine Lust mehr weiterzuschreiben. Vielleicht genehmigen wir uns noch eine Fahrt mit dem heutigen Nikolozug durch Wien.

Besucht das Museum selbst, Öffnungszeiten stehen auf der Homepage, macht euch auf die faszinierende Zeitreise durch die abwechslungsreiche Geschichte der Wiener Öffis. Bestaunt meinen Bus aus dem Fluss, testet euer Wissen und nehmt euch aus dem Shop ein kleines Erinnerungsstück mit.

Zu guter Letzt noch ein Rat, den ich als Wiener Kind schon von meiner Mutter lernte: "Einer Straßenbahn und einem Mann läuft man nie nach!"

Euer Team von bustiger - diesmal Renate, Franz, Walter und Samir.

Kontaktdaten:

Firma:                  Remise - Verkehrsmuseum der Wiener Linien

Ansprechperson: Herr Hans Baierl und Herr Richard Szabo

Adresse:                Ludwig-Koeßler-Platz, 1030 Wien

Telefonnummer:  01/7909-46803

Webseite:              www.remise.wien

Mailadresse:         remise@wienerlinien.at


Interessante und wichtige Details zum Schluß:

Busparkplatz: nein

Stufen: nein

Barrierefrei: ja

Behinderten-WC: ja

Wickelraum: nein

Hunde: nein
Gastronomie: nein

Einkaufsmöglichkeit: Souvenirladen

Fremdsprachen: 8 über Smartphone

Schulprogramme: ja

Hochzeitslocation: nein

Voucher: auf Anfrage

Mit freundlicher Fotogenehmigung von Herrn Baierl, Remise Wien. Werbeeinschaltung. Text: Renate Stigler nach Angaben des Partners, Fotos: lichtkroko, www.lichtkroko.eu